1925-1949
1925
25-jähriges Jubiläumsfest
Das 25 jährige Stiftungsfest des Vereins wurde am 14. und 15 Juni 1925 groß gefeiert und stand – wie es die damals erschienene Festschrift ausdrückt – unter dem Protektorat des Herrn Landrats Dr. Schieren/Westerburg. 1. Vorsitzender ist bei diesem Fest Adam Metternich (Schreinersch) Neben dem obligatorischen Wettstreit, an dem immerhin bereits 16 Vereine - vorwiegend aus der Nachbarschaft – teilnahmen, gab es u.a. einen Festzug,
Die Männer selbst präsentierten sich auf einem Gruppenbild und auch die Festdamen erhielten die Möglichkeit, die Mühen und Anstrengungen um einen angemessenen Auftritt photographisch zu konservieren.
Den Wettstreit gewann – wie der Nassauer Bote vom 16. Juni 1925 berichtet - die Sängervereinigung Westerburg in der A-Klasse. Als Wertungsrichter fungierten Herr Musikprofessor F.C. Lindlar aus Koblenz und der Seminarmusiklehrer und Musikdirektor Meister aus Frankfurt. Nach einem zweiten Festzug montags um 14.00 Uhr klang die Feier mit einer Volksbelustigung auf dem Festplatz aus.
29. Juni - Teilnahme am Festzug in Dehrn
1926
30. Mai - Wettstreit in Wirges
[1. Klassenpreis, 1. Ehrenpreis, Höchster Ehrenpreis, Dirigentenpreis]
Präsident: Adam Metternich; Dirigent Lehrer Schupp Klassensingen: „Der Jäger aus Kurpfalz“ v. A.v. Othegraven Ehrensingen: „Sabbatfrühe“ v. Kempter Höchstes Ehrensingen: „Liebesklage“ v. Neumann
Erstmalig betritt Lehrer Schupp die Bühne als Dirigent der „Frohen Stunde“
02. August - Die „Frohe Stunde“ und das Theater – Premiere mit „Der Herold des großen Königs“
Das Jahr 1926 ist auch Premierenjahr für die Theatertradition der „Frohen Stunde“ Zur Aufführung gelangt das Franziskusspiel „Der Herold des großen Königs“.
Etwas euphorisch, doch sicherlich mit einem Körnchen Wahrheit berichtet einige Jahre später, der weithin als Original bekannte und in Steinefrenz diensttuende Pfarrer Zentgraf in einer Art Kolumne für die heimische Presse :
... der Weröther Köcher birgt in seinem Innern manches Körnchen goldner Kunst. Es sei nur erinnert an die Franziskus-spiele, die vor einer Reihe von Jahren Tausende von Fremden herbeilockten, darunter den hochseligen Prälat Dr. h.c. Hilpisch, den großen Gönner meines Vorgängers. In freudiger Erregung denkt heute noch Weroth an jenen Tag zurück, wo der genannte Besucher, selbst wohlbewandert in Lobsprüchen, den Werother Spielern auf der Freilichtbühne mit weithin schmetternden Worten seine Anerkennung zollte. Post festum habe ich noch den arg zerrupften und zerzausten Lorbeerbaum gesehen, den man damals seines Blätterschmucks beraubte, um den Kranz der Ehren zu flechten. Das damalige“Hoch“ ist zwar längst verhallt,aber der künstlerische Keim ist geblieben und der eigenartige Schimmer ist noch längst nicht verschimmelt und selbst die alltäglichen Verrichtungen und Werkzeuge entbehren nicht eines gewissen Glanzes und einer artigen Anmut. Wenn der Rheingau seine Reben rühmt, wenn das Sayntal mit recht stolz ist auf seine Wollbohnen, - Weroth ist Hochland der Kunst ....
Wettstreit in Nievern
[1. Klassenpreis, 1. Ehrenpreis, Höchster Ehrenpreis, Dirigentenpreis]
Präsident: Adam Metternich; Dirigent Lehrer Schupp Klassensingen: „Ablösung“ v. Hutter Ehrensingen: „Still“ v. Ayslinger Höchstes Ehrensingen „Andreas Hofer“ v. L. Rebbert
1929
20/21. Januar - Theaterstück: „Hauptmann Jaguar“
19. Mai - Wettstreit in Westerburg
[1. Klassenpreis, 1. Ehrenpreis, Dirigentenpreis]
Präsident: Metternich III. (?) Dirigent Lehrer Schupp Aufgabechor: „Sonnabend im Hochgebirge“ v. Josef Werth Ehrensingen: „Der Zinkenist“ v. Kämpf Höchstes Ehrensingen „Wenn die Schwalben heimwärts zieh`n“ v. Buck
1930
Wettstreit in Montabaur
[1. Klassenpreis, 1. Ehrenpreis, Höchster Ehrenpreis, Dirigentenpreis]
09. Juni - Fest in Nentershausen
1931
Wilhelm Tell
25. Mai - Wettstreit in Caden-Härtlingen
[1. Klassenpreis, 1. Ehrenpreis,Dirigentenpreis]
Präsident: Joh. Pörtner IV. Dirigent: Adam Malm Aufgabechor: „Das Kartenspiel“ v. K.Kämpf Ehrensingen (selbstgewählter Chor) „Der Zinkenist“ v. K.Kämpf Höchstes Ehrensingen „Der schönste Augenblick“ v. Wildt
Zwischenzeitlich hat Johann Pörtner IV. von Adam Metternich den Vorsitz übernommen. und Adam Malm ist Dirigent geworden (1930 – 1932) Auf Adam Malm folgen Lehrer Ehrhart (bis 1935) und Jakob Reusch (ab 1935)
1933
Das erste große Passionsspiel
Zum ersten großen Passionsspiel berichtet Pfarrvikar Thomas in der Pfarrchronik:
In der Fastenzeit (1933; Anm d Red) beginnend am Sonntag Quinquagesima bis Ostersonntag (einschließlich) – auch an Karfreitag und einige Male in der Woche für Kinder wurde in Weroth in der Gastwirtschaft Eidt (später Pörtner/“Lindenhof“) die Passion aufgeführt. Träger war der Gesangverein „Frohe Stunde“ verstärkt durch den größten Teil der Schuljugend. Das Spiel war sehr schön ... und mit Ausnahme des Anfangs und Schlusses sehr gut besucht; nur war der Saal zu klein und die Unkosten viel zu hoch. Für die Kirche kam dabei nichts heraus. ( Ich hatte wenigstens 200 M (ark) für eine Sakristei in Weroth erhofft)
1936
23. Mai - Gausängertag des Sängergaues Nassau in Montabaur (Kreis S. 21)
Teilnahme der „Frohen Stunde“ am großen Kreis-Konzert nachmittags um 15.00 Uhr im Saalbau Quirmbach
12. Juli - Wertungssingen in Villmar (Prädikat „Sehr gut“)
Vereinsführer: Johann Eidt Chorleiter: Jakob Reusch a) Horst Wessel von Richard Trunk b) Es leben die Soldaten von K. Kämpf
Von diesem ersten Wertungssingen,,an dem die „Frohe Stunde“ teilnahm, ist die Kritik des Wertungsrichters Professor Dr. Stephani aus Marburg, erhalten geblieben:
Der Rhythmus geriet elastisch, das Piano durchaus schön, der Klang war rein; das Forte ließe sich wohl noch etwas veredeln. Wenn in der schweren Aufgabe von 9 a), z.B. im 1. Tenor, manches nur annähernd vollkommen bewältigt wurde, so ist dies doch ein größeres Lob, als wenn in glatt geschliffenen Gleisen eine nur korrekte Tadellosigkeit hätte erstrebt und erreicht werden wöllen. Nach Text wie Musik geriet der Vortrag sehr angemessen. In 9 b) erklang ein markiges Forte, und der E-Dur Akkord erstrahlte bis hinauf ins hohe h. Die Textschwierigkeiten fanden gut Bewältigung. So war der Eindruck ein sehr lebensvoller.
Bei diesem Wertungssingen in Villmar wird auch Johann Eidt erstmalig als 1. Vorsitzender der „Frohen Stunde“ erwähnt. Wie lange genau er dieses Amt dann inne hatte ist nicht bekannt. Fest steht jedoch, daß er es wohl noch vor dem Beginn der kriegsbedingten Ruhephase an Ferdinand Schönberger abgab
19. September - Konzert
Laut Kassenbuch Einnahme 70 RM
1938
02. Januar - Konzert
Laut Kassenbuch Einnahme 139,24 RM
03. Januar - Theateraufführung
Das Stück hieß „Glockentürmers Töchterlein“ und wurde am Patronatstag, dem Fest des heiligen Märtyrers Sebastian, uraufgeführt. Es folgten dann noch zwei weitere Aufführungen ( 23. Januar und 06. Februar), die insgesamt zu einer Einnahme aus Eintrittsgeldern von 363,50 RM führten. Dagegen standen Ausgaben für Kostüme, Friseur Saalmiete, Vergnügungssteuer etc. von 155,22 RM, so daß der finanzielle Erfolg eher bescheiden ausfiel.
In diese Zeit fällt auch die Anschaffung einer Grammophonplatte für stolze 2,50 RM. Ob diese Platte beim Theaterspiel eingesetzt wurde läßt sich leider nicht mehr feststellen.
01. Juni - Fahrt nach Bad Schwalbach
02. Juni - Einnahme Konzert (Kassenbuch)
03. Juli - Gruppenfest der Sängergruppe III
An diesem Tag richtete der Gesangverein „Liederkranz“ Dahlen das“ Gruppensingen aus, an dem die „Frohe Stunde“ teilnahm ( lt. Kassenbuch)
21. August - Buchung des Postens Autofahrt Ausflug Ausgabe 150 DM
1939
15./20./22. Januar - Theateraufführung lt Kassenbuch
21. Februar - Fastnachtsfeier lt. Kassenbuch
22. Juni - Wertungssingen in Hundsangen (Prädikat „Sehr gut“).
23. Juni - Konzert in Kie(?)rberg lt.Kabuch
1940
Die Eintragungen im Kassenbuch enden mit einer Rechnung der Gastwirtschaft Eidt, die am 20. Dezember 1940 beglichen wurde.
1941-45
Während des II. Weltkrieges ruhte jede Vereinstätigkeit.
1946
Als sich nach dem letzten Kriege, der große Lücken in die Reihen der ehemaligen Sänger des Vereins gerissen hatte, die Zeiten wieder normalisierten, wagte man 1946 einen Neuanfang.
Dem vielfach geäußerten Wunsch, nach dem Ende des Krieges den Chorgesang in der „Frohen Stunde“ wiederaufzunehmen, folgte der noch amtierende Vorsitzende Ferdinand Schönberger. Er lud alle ehemaligen Sänger und am Männerchorgesang Interessierte für den Abend des 24. Januar 1946 zu der ersten Generalversammlung der „Frohen Stunde“ nach dem Kriege ein. Ausnahmslos alle alten Sänger und eine große Anzahl jüngerer Interessenten folgten dem Aufruf.
Traditionsgemäß eröffnete man den Abend mit dem deutschen Sängergruß und gedachte im Anschluß der Toten und Vermißten des Krieges, sowie all derer, die sich zu diesem Zeitpunkt noch in Gefangenschaft befanden. Ferdinand Schönberger richtete einen leidenschaftlichen Appell an die Versammlung, die Tradition des Vereins fortzusetzen und erhielt dabei Unterstützung von Peter Malm. Dieser übernahm dann auch für die Wahl des neuen Vorstandes (der alte Vorstand war zunächst vollständig zurückgetreten) den Ehrenvorsitz.
In öffentlicher Wahl wurde Ferdinand Schönberger zum Vorsitzenden wiedergewählt. Seine Stellvertretung übernahm Bernhard Pörtner. Als Kassierer fungierte ab diesem Zeitpunkt Alois Pörtner und Josef Schönberger fiel die Aufgabe des Schriftführers zu. Der neue Vorstand wurde ohne Ausnahme einstimmig gewählt.
In gleicher Einmütigkeit schenkte die Versammlung dann ihrem ehemaligen Dirigenten Jakob Reusch ( der im Übrigen seit der Tagung des Sängerkreises Unterwesterwald am 28. November 1937 in Dernbach auch Gruppenchormeister der Sängergruppe III war) erneut das Vertrauen und bestimmte ihn zum Chorleiter. Mit einem Lied schloß dann diese denkwürdige, erste Generalversammlung nach dem II. Weltkrieg. (aus dem Protokoll der Generalversammlung)
Formell mußte der Verein noch einmal neu gegründet werden. Zumindest kann man dies aus einem Antrag schließen, den der amtierende Vorsitzende Ferdinand Schönberger an die französische Militärregierung in Montabaur richtete:
Nachdem die Chorproben wieder angelaufen waren und sich die Zeiten normalisierten, erreichte die „Frohe Stunde“ unter der bewährten Leitung von Jakob Reusch erstaunlich schnell den gesanglichen Leistungsstand der Vorkriegszeit.
Die handschriftlich vorliegenden Statuten des Vereins gewährleisten einen reibungslosen Ablauf der Proben. Heute lassen sie manchen schmunzeln, aber es würde auch heute nichts schaden, würde sich mancher Sänger zumindest den Kern dessen, was diese Statuten sicherlich wohlmeinend beabsichtigten, intensiv beherzigen. Der § 7 regelte die „regelmäßigen Übungsstunden“ und war auch so überschrieben:
a) Der Verein hat wöchentlich zwei Übungsstunden und zwar dienstags und freitags. b) Die zu singenden Lieder bestimmt der Dirigent c) ¾ der Übungsstunde wird zur Ein übung eines neuen Liedes und ¼ zur Wiederholung benutzt. d) Während der Übungsstunde hört jede Unterhaltung auf e) Dem Dirigenten muß während der Übungsstunde auf´s Wort Folge geleistet werden f) Der Übungsstunde hat jedes Mitglied bis zum Schlusse beizuwohnen g) Wer unentschuldigt eine halbe Stunde zu spät ausbleibt, hat als Strafe 10 Pf und wer ganz ausbleibt hat 20 Pfennig Strafe zu zahlen. Sobald nun die Übungsstunde beginnt, hat der Schriftführer das Namensverzeichnis vorzulesen.
Neben den primären satzungsgemäßen Zielen der Chorarbeit widmet sich die „Frohe Stunde“ im Rahmen der Kulturarbeit erneut dem Laienspiel, der Theaterarbeit. So faßte man schon unmittelbar nach der „Wiederauferstehung“ des Vereins den Entschluß, an die ruhmreiche Theatertradition anzuknüpfen. Den schwierigen Rahmenbedingungen trug man durch die Auswahl des Stückes Rechnung, da es sich bei dem „Amiche von der Goldbachmill“ um ein Volksstück aus heimischem Raum handelte und daher Theaterbücher und Kostüme preiswert zu beschaffen waren. Die Rollen übertrug man diesmal jüngeren Spielern, die ihre Aufgabe dem Vernehmen nach glänzend meisterten.. Auch finanziell war das Spiel offenbar ein voller Erfolg. Außer an den zunächst vorgesehenen Sonntagen mußte auch an den Werktagen gespielt werden, um dem Besucherandrang gerecht zu werden.
Am 19. und 20 Januar 1946 fand ein Konzert statt, daß nach dem Bericht des Schriftführers als größtes Fest in der näheren und weiteren Umgebung gefeiert wurde. In der Jahreshauptversammlung des Folgejahres lobte Sängervater Johann Eidt in besonderer Weise die Jugend für die begeisterte Anteilnahme bei der Aufführung des Konzertes Sonstige Aufzeichnungen dazu liegen leider nicht vor.
Im weiteren Verlauf des Jahres wurde Pfarrer Herwig verabschiedet und die „Frohe Stunde“ beteiligte sich angemessen, wie immer, wenn Pfarr- oder Zivilgemeinde um Beteiligung baten
1947
Vom Theater nahm man in diesem Jahr Abstand, weil man zunächst eine richtige Bühne herstellen wollte. Stattdessen beschloß man, an Fastnacht einen Dorfgemeinschaftsabend zu veranstalten und begründete damit die Fastnachtstradition der „Frohen Stunde“, die dem ganzen Dorf über etliche Jahre hinweg eine Riesengaudi brachte.
19./20. Januar - Aufführung der Operette „Das Mädel vom Neckarstrand“
die am 16. März in Westerburg noch einmal aufgeführt wurde.
Die wieder überaus aktive Beteiligung der jüngeren Mitglieder im Verein, insbesondere bei der Mitgestaltung des Festgottesdienstes am Patronatstag der Gemeinde ( Fest des hl. Sebastian am 20. Januar ) wurde erneut im Jahresbericht des Schriftführers hervorgehoben.
23./26./27. und 30. November - Aufführung der Schauspiele „Judah“
Josef Kleinmann aus Hundsangen hatte das Bühnenbild gemalt.
1948
01. August - Großes Sängerfest in Weroth
Fünfzehn Vereine mit insgesamt 615 Sängern der früheren Sängergruppe III, die an diesem Tag ihr 25jähriges Bestehen feiern konnte, kommen am 01. August zu dem ersten großen Sängertreffen nach dem Kriege nach Weroth. Davon berichtet die Westerwälder Zeitung:
Auch finanziell ist die Sache ein Erfolg und bringt dem Verein das erste neue Geld: 607 Deutsche Mark und 60 Pfennige, von denen allerdings die Ausgaben noch abgingen (z.B. 120 DM, die an die Sängergruppe zurückflossen).
1949
Auf der Jahreshauptversammlung am 31. Januar wird bekannt, daß der erste Vorsitzende Ferdinand Schönberger seinen Wohnsitz verlegt, so daß ein neuer Vorstand gewählt werden müßte. Man einigt sich schließlich – offenbar mit Zustimmung von F. Schönberger – daß der Vorstand dennoch ein weiteres Jahr im Amt verbleibt.